Die primäre Herausforderung bei Karten ist, dass Kugeln und Flächen nicht eins zu eins übersetzbar sind. Zudem haben Karten immer eine politische Dimension. Indem man nach Antworten auf die Fragen, wer und warum jemand eine Karte erstellt, versteht man die Karte besser. Karten sind Bilder, die Informationen transportieren. Karten sind – wie Gemälde – immer Ausdruck ihrer Zeit. Daher haben sie ihren Platz in der Kunstwissenschaft.
Das aus 22 Teilen bestehende Werk “Map / Weltkarte” von Jasper Johns (1960 – 1971), orientiert sich an der Dymaxion-Weltkarte des Architekten R. Buckminster Fuller (1895–1983), den Jasper Johns über den gemeinsamen Freund John Cage kennenlernte. Die 1943 publizierte Karte ermöglichte erstmals eine Darstellung der gesamten Erdoberfläche ohne die üblichen Verzerrungen von Land- und Wassermassen. Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs gewann sie besondere politische Brisanz, da sie die Erde nicht mehr aus einer eurozentristischen, hierarchischen Perspektive zeigte. Entsprechend rücken in Johns’ Komposition die USA aus dem Zentrum an den Rand.
Map / Weltkarte, Jasper Johns, 1960 – 1971
Map bildet den Abschluss einer Serie von zwölf landkartenbezogenen Gemälden (1960–1971) und entstand als Auftragsarbeit für den amerikanischen Pavillon der Weltausstellung Montreal, der ebenfalls auf einem Entwurf Fullers basierte. Dort wurde das Werk vertikal auf einer schmalen Leinwand präsentiert. Nach dem Ende der Ausstellung überarbeitete Johns das Bild grundlegend, bewahrte jedoch zentrale Flächen, Markierungen und Buchstaben. Eingearbeitete Zeitungsausschnitte und Abdrücke von Bügeleisen durchbrechen bewusst die Bildillusion und verweisen ironisch auf seine Enkaustik-Technik.
Ptolemäus war der erste, der die Erde als eine Kugel beschrieben hat.
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