Bolwoningen — die Kugelhäuser von ’s-Hertogenbosch

Am Rand der Maaspoort, eines ganz normalen Neubauviertels der Achtzigerjahre in ’s-Hertogenbosch, stehen fünfzig weiße Kugeln auf Stelzen. Die Straße heißt Bollenveld, „Kugelfeld“, und wer zwischen den Bäumen hindurchgeht, hat das Gefühl, eine Raumfahrerkolonie sei kurz vor den Reihenhäusern gelandet. Die Bolwoningen gibt es nur hier — nirgendwo sonst auf der Welt.

Das Bollenveld: fünfzig weiße Kugeln zwischen Hecken und Wegen.
Das Bollenveld: fünfzig weiße Kugeln zwischen Hecken und Wegen.

Ein Bildhauer baut Häuser

Entworfen hat sie kein Architekt, sondern der Bildhauer und Designer Dries Kreijkamp (1937–2014). Seine Faszination für die Kugel begann Mitte der Sechzigerjahre, als er bei der Königlichen Glasfabrik Kristallkugeln fertigte. Sein Argument war einfach: Wir leben auf einer Kugel, wir werden aus einer Kugel geboren — warum also nicht in einer wohnen? Den Menschen, so Kreijkamp, sei die Kiste nicht angemessen; er bewege sich rund und fühle sich in runden Formen geborgener.

Den ersten Prototyp aus Polyester baute er in seinem Wohnort Vlijmen. 1984 folgten die fünfzig Kugeln in ’s-Hertogenbosch — finanziert aus dem niederländischen Förderprogramm für experimentellen Wohnungsbau von 1968; die Bolwoningen gehörten zu seinen letzten Projekten. Rund 92.000 Gulden kostete eine Kugel damals, keine 42.000 Euro.

Gelandet im Grün: Nach vierzig Jahren ist die Siedlung eingewachsen.
Gelandet im Grün: Nach vierzig Jahren ist die Siedlung eingewachsen.

Wie eine Bolwoning funktioniert

Jede Kugel misst 5,5 Meter im Durchmesser, besteht aus glasfaserverstärktem Zement mit Dämmung und sitzt auf einem zylindrischen Sockel von drei Metern. Die Teile wurden in Rotterdam vorgefertigt und an einem einzigen Tag montiert. Eine Kugel wiegt nur 1.250 Kilogramm — weniger als Buckminster Fullers berühmt leichtes Dymaxion-Haus.

Innen geht es über eine Wendeltreppe nach oben: Abstellraum im Sockel, darüber das Schlafzimmer, in der Mitte Bad und WC, ganz oben das Wohnzimmer mit Küche und den runden Fenstern von 1,20 Meter Durchmesser. Auf dem Papier verteilen sich etwa 55 Quadratmeter über die Ebenen; frei nutzbar bleiben an den runden Wänden gut 25 — gedacht für Ein- und Zweipersonenhaushalte. Die Akustik ist eigen, und die Bewohner erzählen gern, wie man einen Kalender an eine runde Wand hängt.

Kreijkamps Energieargument: Von allen Körpern hat die Kugel bei gleichem Volumen die kleinste Oberfläche. Weniger Wand berührt die kalte Außenluft, das Haus kühlt langsamer aus, und der Wind findet kaum Angriffsfläche. Was heute als Tiny House vermarktet wird, stand hier schon vor vierzig Jahren.

Sockel und Kugel: die zwei Bauteile jedes Hauses, am Fußweg aufgereiht.
Sockel und Kugel: die zwei Bauteile jedes Hauses, am Fußweg aufgereiht.
Eines der runden Fenster — die großen messen 1,20 Meter.
Eines der runden Fenster — die großen messen 1,20 Meter.
Kugeln zwischen Bäumen, jede mit Blick in eine andere Richtung.
Kugeln zwischen Bäumen, jede mit Blick in eine andere Richtung.

Vom Experiment zum Denkmal

Alle fünfzig Kugeln sind bis heute Sozialmietwohnungen und durchgehend bewohnt. Als der Eurovision Song Contest 2021 einen Einspieler aus dem Bollenveld zeigte, kam Bewegung in die Sache: Die Stadt ließ den bau- und architekturhistorischen Wert untersuchen und setzte die Bolwoningen am 19. April 2022 auf die kommunale Denkmalliste — als markantes Beispiel für die sogenannte Post-65-Architektur.

Wer hinkommt, merkt schnell, dass hier keine Museumsstücke stehen, sondern Zuhause: Mülltonnen an den Sockeln, Gärten, die in die Wege wachsen — und an einer Tür, über einem Klopfer, der handgeschriebene Hinweis „HARD KLOPPEN“: fest klopfen. Die Klingel ist offenbar Nebensache, der Humor nicht.

Zwischen den Kugeln: erst die Siedlung in der Sonne, dann der Pfad — Video, 20 Sekunden.
„HARD KLOPPEN“ — fest klopfen: Tür mit Klopfer an der Nummer 57.
„HARD KLOPPEN“ — fest klopfen: Tür mit Klopfer an der Nummer 57.
Der Wiesenpfad am Rand der Siedlung; hinter den Bäumen warten die Kugeln.
Der Wiesenpfad am Rand der Siedlung; hinter den Bäumen warten die Kugeln.

Die Bolwoningen besuchen

  • Wo: Bollenveld, 5237 ’s-Hertogenbosch (Viertel Maaspoort), direkt am Wasser. Vom Bahnhof mit dem Bus oder rund 20 Minuten mit dem Rad.
  • Respekt: Die Bolwoningen sind Privatwohnungen. Von den öffentlichen Wegen aus lassen sie sich frei fotografieren — aber nicht in die Fenster der Bewohner.
  • Von innen: Erfgoed ’s-Hertogenbosch bietet eine virtuelle Tour durch eine Bolwoning an (Link unten).

Quellen